Panthai
von am 22.01.2019
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Die Firma

JUUL Labs ist eine junge, amerikanische Firma, die sich aus der Firma PAX Labs gelöst hat. Bereits 2015 haben sie unter alter Firmierung die inzwischen allseits bekannt JUUL E-Zigarette herausgebracht. Der große Erfolg in Amerika kam jedoch erst, nachdem sich JUUL Labs 2017 ausgegliedert hat.

Wie schnell so eine Firma wachsen kann, erkennt man am aktuell geschätzten Marktwert von rund 38 Milliarden Dollar. Im Dezember kaufte sich der Tabakkonzern Altria (bekannt vor allem durch ihre Marke „Marlboro“) in die Firma ein. Für schlappe 12,8 Milliarden Dollar sicherten sie sich 35% der Unternehmensanteile an JUUL Labs.

Das Gerät

Die JUUL ist ein Pod-System, das optisch sehr einem USB-Stick ähnelt und Liquids mit Nikotinsalz nutzt. In Amerika sind in den Pods 59 mg/ml Nikotin enthalten.

Die FDA

In Amerika läuft alles ein wenig anders. So ist es auch in der Gesundheitspolitik. Es gibt dort die Food and Drug Administration (kurz: FDA, Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde), welche eine staatliche Behörde und direkt dem Gesundheitsministerium unterstellt ist.  Die FDA ist unter anderem zuständig für die Zulassung und Kontrolle von E-Zigaretten, Liquids und so weiter.

Die FDA hat das Thema Dampfen schon seit einiger Zeit auf dem Schirm und nimmt amerikanische Dampfer mit auf eine Achterbahnfahrt zwischen völligem Verbot und Unterstützung der E-Zigarette. Klingt komisch? Ist auch so. Kurz angerissen: Erst war die FDA sehr gegen das dampfen und hat versucht, so viel wie möglich zu regulieren. Das ging so weit, dass es kurze Zeit so aussah, als würden alle Geräte der neuen Generation vollkommen vom Markt verschwinden. Es sollten nur noch Geräte am Markt bleiben, die vor ca. 10 Jahren bereits am Markt waren. Alle neueren Geräte und Liquids sollten durch einen teuren Zulassungsprozess geschickt werden. Nach welchen Kriterien die neuen Produkte zugelassen werden würden, war aber immer unklar und nicht genau definiert, sodass eine Zulassung trotz hoher Gebühren nicht garantiert war. Da die Dampferbranche auch in den USA vor allem aus kleinen, mittelständischen Unternehmen besteht und bestand, hätte das für viele Firmen das Aus bedeutet.

2017 gab es dann mit dem neuen Leiter der FDA (Scott Gottlieb) einen Umschwung. Die drohende Regulierung wurde gekippt, die Geräte durften am Markt bleiben und er sprach sogar selbst von einem wesentlich geringeren Schadenspotenzial der E-Zigarette. Die Dampferwelt atmete auf und ging erleichtert ihrem Tagewerk nach.

Lange angehalten hat das aber nicht.

Die „Epidemie“

Im September 2018 sprach Scott Gottlieb über eine von der FDA durchgeführten Studie, die herausgefunden habe, dass der E-Zigarettenkonsum unter Jugendlichen besorgniserregend zugenommen habe – und er hatte auch schnell einen schuldigen gefunden. Die JUUL ist laut diversen Aussagen sehr attraktiv für Jugendliche, da sie unauffällig ist und wenig Dampf produziert - und damit gut heimlich gedampft werden könne. Außerdem sei die E-Zigarette eine Einstiegsdroge zum Tabakrauchen. Also die übliche und oft widerlegte Gateway-Theorie.

Lange Zeit wurde von der JUUL-Epidemie und der Gesundheitsgefahr der E-Zigaretten geredet, ohne dass die Zahlen der FDA veröffentlicht wurden. Das ging sogar so weit, dass die FDA regelrechte Propaganda-Videos gegen das Dampfen veröffentlichte und Fruchtaromen in Liquids verbieten wollte. Die Argumentation hierfür war, dass Frucht- und Dessertaromen auf jugendliches Publikum abzielen würden. Als Reaktion darauf haben viele internationale bekannte Dampfer an einer Aktion teilgenommen, bei der sie unterstrichen, dass sie nach jahrelangem Rauchen durch fruchtige Liquids aufhören konnten.

(Ich verlinke euch unten ein paar Links und Videos hierzu.)

Die FDA-Studie

In der Zwischenzeit wurden die ersten Zahlen der FDA-Studie veröffentlicht. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2015. Im Vergleich zum vorherigen geprüften Zeitraum (2011) waren die Zahlen der jugendlichen Dampfer tatsächlich massiv angestiegen. Allerdings haben sie für diese Statistik nur die Anzahl der Jugendlichen angeführt, die bereits einmal eine E-Zigarette probiert hatten. Bei diesen Zahlen ging es also nicht darum, wie viele Jugendliche regelmäßig dampfen, sondern es wurden alle gezählt, die schonmal probiert haben. Übrigens sind die Zahlen der rauchenden Jugendlichen in genau so hohem Maße gesunken, wie die Zahl der Dampfer zugenommen hat.

Eigentlich sind diese Zahlen also durchaus positiv. Denn inzwischen bestreitet keiner mehr, dass das Dampfen wesentlich weniger schädlich ist als Tabakzigaretten. Aber diese Tatsache wird einfach ausgeblendet.

Die Konsequenzen

Die FDA hat aufgrund der „Epidemie“ unter Jugendlichen die größten Hersteller der E-Zigaretten (Juul, Altria, Fontem Ventures blu, BAT Vuse und Logic) aufgefordert darzulegen, wie sie beabsichtigen sicherzustellen, dass Jugendliche nicht mehr an ihre Produkte kommen. Sollten sie das nicht können, hat er mit harten Regulierungen gedroht. Kurzer Vergleich: Das ist so, als würde man die Firma Warsteiner fragen, wie sie verhindern will, dass unter 16-jährige ihr Bier kaufen. Vollkommen absurd? Ist so. Haben sie trotzdem gemacht.

Als Konsequenz daraus hat die Firma Altria ihre Produkte der Marke „MarkTen“ vom Markt genommen. Die restlichen Hersteller sicherten der FDA zu, weitreichende Jugendschutzmaßnahmen zu ergreifen.

JUUL Labs hat daraufhin nahezu alle Pods mit „attraktiven“ Aromen aus den konventionellen Stores genommen. Dort bekommt man nun nur noch Tabak und Menthol. In Vape Shops kann man weiterhin alle Aromen bekommen. Wer nun in den USA Pods online kaufen möchte muss eine sehr aufwändige Altersverifikation durchlaufen. Es wurde sogar gescherzt, dass es in Amerika nun einfacher sei, eine Waffe zu kaufen als einen Pod „Mango“ von JUUL.

Die JUUL kommt!

Und zwar mit Pauken und Trompeten. Noch vor der europäischen Markteinführung hat die Firma JUUL Labs aggressiv versucht, sich ihren Platz auf dem Markt freizukämpfen. Sie hat Hersteller abgemahnt, deren Liquids Namen haben, die auch nur ähnlich klingen wie JUUL. Und da es sich kein kleiner Hersteller leisten kann, gegen eine Klage eines Multimilliarden Dollar Konzerns vorzugehen, waren die entsprechenden Liquids auch fast über Nacht vom Markt. Auch haben sie Händler abgemahnt, welche die BO Vaping von JWELL im Sortiment hatten. Grund für die Abmahnung sei eine Patentrechtsverletzung. Und ja, das ist kein Verschreiber. Es wurden die kleinen Shops abgemahnt. Nicht der Hersteller. JWELL stand den Händlern jedoch zur Seite und unterstützte diese dabei, gegen die laut ihren Aussagen unberechtigten Abmahnungen vorzugehen.

Seit Dezember 2018 ist die JUUL nun auch auf dem deutschen Markt verfügbar. Die Pods kommen hierzulande mit Nikotinsalz und einem Nikotingehalt von 20 mg/ml.

Die Medien

Aufgestachelt durch die schlechte Presse der JUUL in den USA haben sich die Medien erwartungsgemäß sofort auf das kleine Pod-System gestürzt. Wenig reflektiert und unzureichend recherchiert warnen diverse Portale vor den Gefahren für die Jugendlichen in Deutschland. Es wird in den Artikeln von hochdosiertem Nikotin gesprochen, vom Gateway-Effekt – es wird nicht einmal davor zurückgeschreckt, die JUUL als Teenie-Droge zu bezeichnen. Kaum ein Produkt hat bisher solche Diskussionen ausgelöst.

Auswirkungen auf die Dampferbranche

Die ganze Diskussion zwischen Hype und Gefahr geht natürlich an der Dampferbranche nicht vorbei. Die JUUL hat Diskussionen um den Jugendschutz und die Höchstmenge von Nikotin angestoßen. Eltern sind verunsichert, E-Zigaretten werden als gefährlich eingestuft. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem selbst die Medien langsam begriffen haben, dass die E-Zigarette eine wesentlich geringere Schädlichkeit im Vergleich zur Tabakzigarette hat. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt.

 

#news#politik

Weiterführende Links und Quellen im ersten Kommentar:

 

 

 

 

Erstellt in: News & Politik
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Panthai
Quellen und verwandte Links: https://www.juul.com/ (Webseite des Herstellers) https://en.wikipedia.org/wiki/JUUL (Wikipedia) https://www.dampfer-magazin.de/versalzene-geschaefte/ (Dampfermagazin) https://youtu.be/qnVBlRutrY4 (VSI - Juul kommt nach DE) https://youtu.be/hXwp-xEfEYo (VSI - FDA Propaga...Zeige mehr
SteamBox-Online
Vielen Dank für diesen aufschlussreichen und interessanten Bericht zu JUUL Labs und ihrem Produkt.
Berserkerbrent
Super! Ich freue mich mega,dass jetzt hier auf dieser Plattform neben hochqualifizierten Liquid-und Geräte Reviews auch so ein Blog existiert. Ich bedanke mich bei Dir für die Recherche und den wohlformulierten Bericht. Freue mich schon auf das was da kommt.
Hat die zufällig mal jemand selber probiert? Ein Kumpel von mir hat die sich mal geholt, und ist hellauf begeistert davon, aber selber hatte ich noch keine Gelegenheit. Würde mich mal interessieren, was die Profis so davon halten... ;)
Hoppe
Das Ding is der letzte Mist... Hatte schon die amerikanische Version und jetzt die für Europa. Die US Version hatte wenigstens noch Schmackes mit 60 mg Nikotin. Die EU Version mit 20 mg ist einfach nur lächerlich und einfach nicht brauchbar. Meine Cigalike von 2009 war da effektiver und effizienter....Zeige mehr
Hoppe
Ach und die Pods schmecken auch noch nicht wirklich gut :D
Berserkerbrent
Solange ich mit meiner my zufrieden bin,suche ich nicht nach was neuem.
Meerdampf
Die Juul ist wirklich nichts besonderes. Es wird ein unnützes Aufstand darum gemacht.
Hoppe
Das ist der Trick in deren Marketing. Immer in aller Munde bleiben...
Rode Rick
Ich hab mir heute das Smok Infinitralafickiteil geholt. Ich finde den Stick jetzt nicht sooo geil. Aber morgen kommt mein Squonker :-D
Jorlin
Persönliche Meinung ohne Anspruch die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben: SMOK ist Mist, hat noch nie was rausgebracht das besser als "funktioniert grade so" ist.
sardegna
meine xcube ultra war schin ein geiles Teil..... aber mittlerweile sollte man wohl besser von der "Tochter" Teslacigs kaufen...
Berserkerbrent
Ich bin ganz bei @Jorlin .Hab nur schlechte Erfahrungen mit Smok - Produkten gemacht.